Presseberichte

Pressemeldung 2020/01

Karges Mahl oder reiche Tafel bei den Germanen?

Die üppigen und bisweilen exotischen Essgewohnheiten der wohlhabenden Römer werden in zahlreichen Filmen und Comics scherzhaft überhöht. Doch wie sah es bei den Germanen aus? Nur ungewürzter Getreidebrei morgens, mittags, abends? Dieser Frage geht die Berliner Archäologin Ivonne Baier  in einem Vortrag am 06.02.2020 nach.

Sei es „Das Leben des Brian“ der britischen Komikergruppe Monty Python oder aber die Comics aus der Reihe „Asterix & Obelix“; sie alle stellen etwas überzogen die römische Essenskultur dar. Doch auch die etwas nüchternere Wissenschaft kennt das Spanferkel à la Traian oder gekochtes Rebhuhn als Gaumenfreuden Roms aus antiken Schriften. Es wurde gut und gerne getafelt – zumindest in den Kreisen, die es sich leisten konnten. Bei den Germanen auch? Wie sah der Speisezettel in dieser Zeit jenseits des Limes aus? Wenn schriftliche Quellen fehlen, sind es die archäologischen, archäobotanischen und archäozoologischen Funde die das Bild erhellen können. So werden jedes Jahr auf Ausgrabungen große Mengen Keramik geborgen, aber auch Pflanzenreste und Tierknochen. Für Archäologen sind Keramikfunde als kulturelle „Leitfossile“ unverzichtbar für die zeitliche Einordnung von Fundplätzen. All diese Gefäße waren Teil der häuslichen Geschirrausstattung und in erster Linie zum Kochen und Auftragen, zum Bevorraten und Aufbewahren gedacht. Doch was kam mit der Keramik auf den Tisch? So kann im Zusammenspiel von verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen die Ernährung früherer Zeiten beleuchtet werden.

Der Vortrag „Die Kost war karg… zu Tisch bei den Germanen“ möchten sich dem außerhalb der Wissenschaft bislang nur wenig betrachteten Speiseplan der Germanen widmen. Die Referentin, Frau Ivonne Baier, ist Archäologin mit Forschungsschwerpunkt in der Römischen Kaiserzeit. Die Veranstaltung der Archäologischen Gesellschaft im Landkreis Rotenburg (Wümme) e.V. findet am Donnerstag, den 06.02.2019, im großen Sitzungssaal des Kreishauses in Rotenburg, Hopfengarten 2, um 19:00 Uhr statt. Der Eintritt ist frei.

Pressemeldung 2020/02

Wie geht man mit Völkermord um?

Der Völkermord in Ruanda erschütterte 1994 die Weltgemeinschaft. Wie geht ein Land mit einer solchen Katastrophe um? Wie können Täter und Opfer in einer Gemeinschaft weiterleben? Ein Ort des Gedenkens und der Aufarbeitung ist die Schule in Murambi. Dort leisteten zwei archäologische Restauratorinnen aus Niedersachsen Amtshilfe. Monika Lehmann und Dorte Schaarschmidt werden von ihren Erfahrungen in einem Vortrag am 19.03.2020 in Zeven berichten.

In der Archäologie ist man immer wieder mit menschlichen Schicksalen konfrontiert. In der Regel liegen diese jedoch Jahrhunderte oder Jahrtausende zurück und mit der Zeit wächst auch die Distanz zu diesen Ereignissen. Doch manchmal sind archäologische Kenntnisse und Fertigkeiten auch in jüngerer Zeit gefragt: sei es die Ausgrabung von Massengräbern des Jugoslawien-Krieges oder seien es Hinterlassenschaften des Völkermordes in Ruanda.

Der Völkermord bewegte die Welt: Am 6. April 1994 wurde das Flugzeug des ruandischen Präsidenten Jubénal Habyarimana abgeschossen. Das nie aufgeklärte Attentat löste eine Welle der Gewalt zwischen den Volksgruppen des Landes aus. Innerhalb von nur 100 Tagen schlachteten Angehörige der Hutu-Mehrheit rund 75 Prozent der in Ruanda lebenden Minderheit der Tutsi ab; Schätzungen gehen von bis zu einer Million Toten aus. Heute kümmert sich die National Commission for the Fight against Genocide (CNLG) darum, die Erinnerung an die Massaker wachzuhalten. Die Präsentation von sterblichen Überresten der Opfer in rund 200 Gedenkstätten hat für die Menschen in Ruanda immense Bedeutung.  Rund 800 Opfer liegen bis heute in den Klassenzimmern einer Schule in Murambi, wo bei einem unvorstellbar grausamen  Massaker binnen drei Tagen rund 50 000 Tutsi den Tod fanden. Ihre Präsentation gehört in der Gedenkstätte zur Erinnerungskultur; teils hat man die Toten auf Holzgestelle gebettet und zweimal im Jahr mit Kalk eingepinselt, um sie vor dem Verfall zu bewahren. Aber das ist keine langfristige Lösung, um die Körper zu erhalten.

Beim Erhalt dieser Relikte leistet das Landesamt für Denkmalpflege aus Hannover nun Amtshilfe. Das gemeinsam formulierte Ziel dieses Projektes umfasst den Wissenstransfer im konservatorischen Fachbereich. Dies beinhaltet Dokumentation und Monitoring, die Reinigung der empfindlichen menschlichen Überreste bis hin zu einer Langzeiterhaltung und würdevollen Präsentation.

Die Restauratorinnen Monika Lehmann und Dorte Schaarschmidt werden aus ihrer Arbeit an diesem ungewöhnlichen archäologischen Projekt berichten.

Die Veranstaltung der Archäologischen Gesellschaft im Landkreis Rotenburg (Wümme) e.V. findet in Kooperation mit der Samtgemeinde Zeven am Donnerstag, den 19.03.2020, im Sitzungssaal des Rathauses Zeven, Am Markt 4, um 19:00 Uhr statt. Der Eintritt ist frei.